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Nach dem Eingriff schnell nach Hause: Ambulante OPs bei Kindern

Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist für Kinder ein einschneidendes Erlebnis. Weit weg von zu Hause liegen sie in einem fremden Bett und verstehen oft nicht, was mit ihnen passiert.

«Eine stationäre Behandlung ist für Kinder ein Trauma», sagt Prof. Hans-Jürgen Nentwich, Vizepräsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Köln. Und auch die Eltern kommen häufig schlecht mit der Situation zurecht, ergänzt Jochen Scheel, Vorsitzender der Gesellschaft für Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland mit Sitz in Siegen. Immer häufiger werden die kleinen Patienten deshalb ambulant operiert.

Vorgenommen wird der Eingriff im Krankenhaus oder bei niedergelassenen Kinderchirurgen. Mehr als 65 solcher Praxen gibt es deutschlandweit, sagt Regina Pankrath, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der niedergelassenen Kinderchirurgen Deutschlands in Berlin. Der Kinderchirurgin zufolge sind ambulante Eingriffe weniger belastend, weil die Kinder nach wenigen Stunden wieder nach Hause können, und die beste Krankenschwester sei ohnehin die eigene Mutter. Für bestimmte Operationen schreiben die gesetzlichen Krankenkassen sogar eine ambulante Behandlung vor. Dazu gehören beispielsweise die Entfernung der Rachenmandeln oder Nasenpolypen und die Operation von Hodenhochständen, Vorhautverengungen, Zysten oder Abszessen. «Die Kassen vergüten in diesen Fällen nur die Kosten für eine ambulante Operation», erklärt Michael Held vom AOK-Bundesverband in Bonn.

Darüber hinaus gibt es Fälle, die sowohl ambulant als auch stationär behandelt werden können, beispielsweise der Leistenbruch.

Von diesen Regeln gibt es jedoch Ausnahmen. Grundsätzlich stationär behandelt werden können Kinder mit Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen, Diabetes oder schwerem Asthma. Gleiches gilt, wenn die Eltern zu weit weg von Praxis oder Klinik wohnen, über kein Telefon verfügen oder sich nicht ausreichend um das Kind kümmern können. «Wenn die Ärzte Bedenken haben, dass ihre Anweisungen nicht befolgt werden, operieren sie nicht ambulant», erklärt Scheel. Schließlich zählt auch der Wunsch der Eltern. «Wenn die eine stationäre Behandlung fordern, wird das meist gemacht», sagt Scheel.

«Ich kenne nur wenige Kassen, die die Bezahlung dann verweigern.» Er rät aber, vor der Operation mit der Kasse zu sprechen. Welche Krankheiten ambulant behandelt werden können, weiß in der Regel der Kinderarzt. Er überweist das Kind an einen Kinderchirurgen.

«Der überprüft noch einmal den Befund und bespricht mit den Eltern die anstehende Operation», erklärt Pankrath. «Die Eltern müssen genügend Zeit haben, darüber nachzudenken, ob sie der Operation zustimmen», sagt Prof. Nentwich. Das Gespräch sollte deshalb mindestens einen Tag vor dem Eingriff geführt werden. Zum Operationstermin muss das Kind nüchtern kommen. Der Anästhesist untersucht seinen Patienten vor der Narkose noch einmal.

In den Praxen können die Eltern in der Regel bis kurz vor der Operation bei ihrem Kind bleiben. «Das Kind schläft auf dem Arm der Mutter ein und wacht nach der Operation im Beisein seiner Eltern wieder auf», sagt Pankrath. In Kinderkrankenhäusern ist das Verfahren laut Scheel meist ähnlich.

Nach der Operation wird der Eingriff mit den Eltern besprochen. Dabei erfahren sie auch, worauf sie bei der Nachbehandlung achten müssen. «Die Eltern müssen regelmäßig Fieber messen und ausreichend Schmerzmittel geben», sagt Pankrath. Durch die Medikamente soll verhindert werden, dass die Kinder ein Schmerztrauma entwickeln.

Sind die Kinder aus der Narkose erwacht, werden sie noch einmal untersucht. Zwei bis vier Stunden nach der Operation können sie meist nach Hause. Kommt nur ein Elternteil mit, sollte für die Heimfahrt ein Taxi oder ein Freund mit Wagen organisiert werden. «Wichtig ist, dass bei der Fahrt jemand auf das Kind aufpassen kann», sagt Scheel.

Die Eltern erhalten auch eine Notfallnummer, die rund um die Uhr Kontakt zu den Medizinern ermöglicht. «Am Abend nach der Operation sprechen wir in der Regel noch einmal mit ihnen», sagt Pankrath.

Komplikationen seien bei amublanten Operationen selten. Wenn aber beispielsweise die Blutung nicht nachlässt, muss das Kind noch einmal in die Praxis - oder die Ärzte kommen vorbei. «In der Regel können wir das behandeln», sagt die Kinderchirurgin. In schwerwiegenden Fällen werde das Kind in ein Krankenhaus gebracht. Ob Eltern ihr Kind im Krankenhaus oder in der Praxis behandeln lassen, liegt in ihrem Ermessen. «Die Praxen sind meist überschaubarer. Es gibt einen sehr engen Kontakt zwischen Ärzten und Eltern», sagt Pankrath. Dafür biete ein Krankenhaus mehr Sicherheit, hält Scheel dagegen. «Wenn bei der Operation doch etwas passiert, kann das Kind sofort auf die Intensivstation verlegt werden.» Einig sind sich die Ärzte jedoch in einem Punkt:

«Kinder sollten auf jeden Fall von einem Kinderchirurgen operiert werden», sagt Pankrath. Erwachsenenchirurgen hätten keine entsprechende Ausbildung, würden aber trotzdem immer wieder Kinder operieren, erklärt Scheel. «Das halte ich für ein Riesenproblem.»

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